everyday is like sunday

Sonntag, 15. Juni 2014

Freitag, 13. Juni 2014

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Sonntag, 8. Juni 2014

Mittwoch, 4. Juni 2014

Sonntag, 1. Juni 2014

traurige forellen

hundertsiebenundneunzig







Sonntag, 25. Mai 2014

Smoke rings of my mind

Dass er 17 Mal von Zuhause ausriss und 16 Mal zurückgebracht wurde. So kündigt ihn ein Mann im Pullover an, selbst Musiker, Pete Seeger, der dieses Jahr im Januar gestorben ist.
Er war sein musikalisches Idol, brachte ihn auf das Newport Folk Festival in Rhode Island.

Am 26. Juli 1964 betritt er unauffällig die Bühne, fast als wäre er gerade zufällig hier vorbei gekommen. Jemand schraubt vier Mikrofone auf seine Höhe. Er dreht das Ding vor sich wieder ein Stück runter. Vielleicht schraubt man Menschen, die man gut findet, automatisch ein Stück hoch, sich selbst ein Stück runter.
Vor einer gestreiften Leinwand auf einer kleinen Bühne vor einem großen Publikum das größtenteils auf der Wiese sitzt, steht er, mit umgeschnallter Gitarre und Mundharmonikahalter um den Hals.
Das Publikum jubelt. Sitzen und jubeln schließen sich nicht aus. Ein junger Mann schreit seinen Namen. "Yes yes I can hear you well", antwortet er, lacht, zieht aus seiner rechten Jacketttasche die Mundharmonika, setzt sie in die Halterung "I think you have the wrong man". Er will hier nur schnell sein Lied singen. "This is called hey Mr. Tambourine Man".
"Please play a song for me", hängt er noch an, als müsste er sich selbst noch mal des Titels versichern. Er sieht aus wie jemand, der in der linken Tasche seinen Autoschlüssel hat, um notfalls schnell zu flüchten.

Am 21. Mai 2014 sitze ich am offenen Fenster und schaue mir das Video 27 Mal auf Youtube an. Ich sitze am Fenster, um notfalls schnell zu flüchten.
Nebenan mäht jemand Rasen, immerzu mäht nebenan jemand Rasen. "Mein Mann und ich wir streiten uns darum, wer den Rasen mäht", sagte heute früh eine Kollegin im Laden, und rauchte. Ich rauchte nicht, wünschte mich zurück ins Bett, wo mein Mann noch schlief.
Später missfiel ihr die Musik, die ich zum Aufbauen einlegte, "da schlaf ich gleich wieder ein". 
Hey Mr. Tambourine Man, play a song for me, in the jingle jangle morning I’ll come followin’ you.

Ein früherer Mitbewohner nannte meinen Musikgeschmack gerne "moll". Moll hieß für ihn: Traurige Männer, die eine Gitarre in der Hand halten und Holzfällerhemden tragen. Er selbst hörte Musik, die sich im Dur-Bereich abspielte: Ska, Elektro, Punk, Rock. Einmal hatte ich ihn zu einem "New Model Army"-Konzert gefahren. Kurz gesagt: Für seine Musik brauchte man ein Handtuch, für meine eine Packung Taschentücher. Das ist bis heute so geblieben. 

Meine Kollegin war vor ein paar Wochen auf einem Peter Maffay Konzert, das – so betonte sie es – "richtig rockte". Ich glaube wir haben unterschiedliche Auffassungen von "richtig rockte". 
Ich frage sie, ob ich die Oliven in Lake auffüllen soll und sage nicht: auf der neuen Maffay-Platte ist ein halbes Bob Dylan Cover, habe ich gelesen.

Um 6 Uhr 45 nehmen wir Styroporplatten von der Kühltheke und decken Würste auf und Käsestücke, als müssten auch sie erst geweckt werden. Dass ich müde Augen habe, sagt die Kollegin und ich, dass noch zwei Stunden Zeit sind, bis die Kundschaft kommt.

"Hey Mr. Tambourine Man play a song for me", singt Bob Dylan ins Mikrofon und will schon wieder zum Mundharmonika-Spiel ansetzen, als ihm einfällt, dass die Zeile noch weiter geht. I’m not sleepy and there is no place I’m going to.
Er ist 23 und große Auftritte noch nicht gewöhnt. Sein Vorbild Pete Seeger sitzt hinter ihm, wippt mit den Knien. Er hat ihn hier her gebracht. So ist das: jemand oder etwas muss einen an Orte bringen, die man noch nicht kennt, dort stehen muss man dann allein und ohne Verstärker.
In Newport ist ein aufziehendes Gewitter im Hintergrund zu hören.
Ein Wind fährt durch Bob Dylans Kraushaar.

Hier scheint die Sonne und es ist viel zu warm für Mai und ein aufziehendes Gewitter würde mich nicht wundern. Ich bin nie von zu Hause ausgerissen, nur einmal habe ich damit gedroht, und auch schon eine Reisetasche aufs Bett geworfen. Meine Mutter war verwundert, so verwundert wie sie es heute ist, dass ich jetzt Brot und Käse verkaufe. 
Dass ich wirklich abhaue, hat sie mir auch nicht geglaubt. Dafür kannte sie mich zu gut. Wahrscheinlich haben wir geredet, ein bisschen geheult, uns umarmt und dann ist sie zurück ins Büro gegangen und ich habe in mein Tagebuch geschrieben. Vermutlich war die Vorstellung vom Ausreißen, die Drohung schon genug.

Ich stelle mir vor, wie unglaublich schwer es sein muss, gleichzeitig Gitarre und Mundharmonika zu spielen und dazwischen zu singen und wie unglaublich gut es sein muss, wenn man es kann. 
Ich steige aus dem Fenster und hänge Wäsche ab. I’m ready to go anywhere, I’m ready for to fade into my own Parade.

Sonntag, 18. Mai 2014

hundertfuenfundneunzig





Sonntag, 11. Mai 2014

hundertvierundneunzig

Sonntag, 4. Mai 2014

Donnerstag, 1. Mai 2014

Sonntag, 27. April 2014

Dienstag, 22. April 2014

ausrufezeichen

Sonntag, 20. April 2014

hunderteinundneunzig

Mittwoch, 16. April 2014

Dienstag, 15. April 2014

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Sonntag, 13. April 2014

Samstag, 12. April 2014

großer wurf




Donnerstag, 10. April 2014

laugenherz

Sonntag, 6. April 2014

hundertachtundachtzig

Montag, 31. März 2014

dame

Sonntag, 30. März 2014

Sonntag, 23. März 2014

Gemeingut Frühling

Seit wann laufen denn alle jackenlos mit frohen Gesichtern durch die Stadt und nerven? Wie Leute, die im Kino hinter einem sitzen und bei jedem bekannten Schauspieler, der im Film auftaucht erstmal laut seinen Namen aussprechen müssen. Wie Hunde, die ständig ihr Bein zum Pinkeln heben. 
Wieso denken denn alle, dass der Frühling ihnen gehört?
Warum schlendern jetzt alle durch die Gassen und Straßen und Ach! Wie nett! Lassen sich vor Blumenkübeln fotografieren. Wieso nicht vor überquellenden Mülleimern?
Und klar, Baguettestangen und Ketchupflaschen ragen schon aus allen Fahrradkörben und sogar aus Taschen von Frauen in pastellfarbenen Etuikleidern.
NEIN! möchte ich rufen, Pssst! Seid doch mal still! Hört doch mal her! Noch nicht!
Für Grillgut ist der Sommer da.

Im März gibt es diese ersten warmen Tage, an denen die Fenster, Türen, Jackenknöpfe, Cabrioverdecke, auch Herzen aufspringen, wie Dornröschen, nach langem Winterschlaf.
Die Vögel zwitschern schon früh um halb sechs, die letzten Partygäste wanken jetzt im Morgenlicht nach haus. Zurückgekehrte Eisdielenbesitzer reißen die bunten Papierbögen, mit denen im Winter die Fenster verhängt waren, von einem Tag auf den anderen herunter, polieren die Scheiben und befüllen die Theken, vielleicht mit neuen Sorten, oder mit neuen Namen für alte Sorten. Die Cafés stellen wieder Tische raus und hängen bunte Decken über Stühle. Installation von Kissen- und Kuchenstapeln in Reichweite potentieller Gäste. 
Samstags holt man jetzt die platten Räder aus dem Keller und hat sogar Lust, Altglas wegzubringen oder noch schnell eine Runde laufen zu gehen.

Der März ist die Zeit für Übergangsjacken, Städtetrips, den klassischen Halbschuh.
Und klar, jeder sitzt nun in den Startlöchern, irgendwie stehen alle Zeichen auf „gehe über Los!“ Wenn man es schafft, die Steuererklärung rechtzeitig abzugeben, zieht man dann in ein paar Monaten vielleicht noch etwas Geld ein. Aber Obacht!

Man sollte sich nicht weiter (vorwärts) wünschen als man es ist, sagte neulich eine weise Freundin beim Spazierengehen am ersten Sonntag im März.
Es war sonst fast keiner unterwegs. Der Winter steckte den Bäumen und Sträuchern, den Ästen, der Wiese, dem Moos, ja selbst dem Bach noch in den Knochen. Und trotzdem lag schon Frühling in der Luft. Der Wind nicht mehr so kalt, wie noch vor ein paar Wochen, das grau nicht mehr nur grau, sondern grüngrau, ins bräunliche, ein graugrünbraun, das auch ein bisschen ins bläuliche hinüber spielte (um es mit Loriot zu sagen).

Das Schöne an dieser Zeit ist, dass alles noch vor einem liegt: das große Knospen und Blühen und Ah! Und Oh! Bald werden Blumen pop-up-artig aus Kästen und Beeten und Wiesen sprießen, Picknickdecken sich auf Wiesen aus- Tagestouristen in Bussen an-rollen. Bald...! Schlangenbildung vor Innenstadteisdielen und Bankautomaten! Trägerlose Tops, kurze Hosen. Bald...
HALT.

Moment mal, ist das etwa GRILLGERUCH, der da vom Park rüberweht?
Kam mir da gerade eine Frau im Sommerkleid entgegen? Trägt denn jeder in der Stadt plötzlich eine Eistüte vor sich her, mit mindestens drei Kugeln?
Und Sonnenbrille? Wieso hat der Typ mit den Flipflops auf der anderen Straßenseite schon so braune Beine? Lagert denn insgeheim JEDER seit Mitte Februar einen beachtlichen Vorrat gekühltes Bier und Radler bei sich im Kühlschrank falls es mal 15 Grad im Schatten hat?

Noch ist März: blasse Beine und Gebäck. Vorfrühlingssausen. Still hüpfende Vorfreude und Schüchternheit, ja! Schüchternheit! Sommersprossen. Langsamkeit und Limonade. Zögern. Zoobesuche. Von mir aus erste Sonnenbrände, die man sich aus Versehen auf der ersten, kleinen Radtour holt.

Es sind doch jetzt die Tage auf Treppenstufen zu sitzen. Die Tage der 1000 Möglichkeiten und des Konjunktivs. Sich wundern, dass die Sonne schon so wärmt.
Nichtsdestotrotz, die Treppenstufen sind noch kalt. Der Himmel könnte jeden Moment wieder zuziehen. Aber falls es wieder zu regnen beginnt, könnte man sich unter ein Eisdielen-Vordach flüchten und die erste Kugel Panna-Cotta-Eis bestellen, im Becher nicht in der Waffel. Es wären auch fast keine Menschen da, und wenn, nur trübe Mienen, und man hätte den Frühling doch noch kurz für sich allein!

Erschienen in: Schwäbisches Tagblatt, Kulturphänomene (79), 21.03.2014

Freitag, 21. März 2014

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Sonntag, 16. März 2014

hundertfuenfundachtzig

Samstag, 15. März 2014

anoraks

Sonntag, 9. März 2014

hundertvierundachtzig

Sonntag, 2. März 2014

hundertdreiundachtzig



Sonntag, 23. Februar 2014

hundertzweiundachtzig