everyday is like sunday

Freitag, 30. Dezember 2016

Wer sind wir?

Für das Wissensressort der ZEIT führten mein Kollege Bernd Eberhart und ich ein Gespräch mit der Schriftstellerin Siri Hustvedt und dem Neurowissenschaftler Vittorio Gallese über Kunst und Wissenschaft, über Donald Trump und warum es gefährlich ist, keine Bücher zu lesen. 

 

 

Dienstag, 30. August 2016

blau

Sonntag, 28. August 2016

dreihundertdreizehn

Sonntag, 21. August 2016

dreihundertzwoelf

Sonntag, 14. August 2016

Sonntag, 7. August 2016

dreihundertzehn

Sonntag, 31. Juli 2016

dreihundertneun (Sommer mit Gänsen)

Meine Reihe "Sommer mit Gänsen" erscheint im Schwäbischen Tagblatt; Folge 1, Folge 2 und Folge 3 kann man auch online lesen. 

 




Sonntag, 24. Juli 2016

dreihundertacht

Sonntag, 17. Juli 2016

dreihundertsieben

Mittwoch, 13. Juli 2016

mehr katze da (helene herb)

Sonntag, 10. Juli 2016

Sonntag, 3. Juli 2016

dreihundertfuenf

Sonntag, 26. Juni 2016

wie es anfängt

Butterblumengelb, zart und flauschig. Rosa Flossen tapsen über meine Zehen. Flaum streift meine blassen Beine. Zum vom Fleck weg Pflücken neugierig. Picken an Sandalenschnallen. Winzige Schnäbel. An denen man sie schon als Gans erkennt. Noch passen sie in eine Hand. Und Hosentasche. Tschilpen und purzeln durcheinander, übereinander. Drunter und drüber. Nur eins kommt nicht mit. Eins von zweihundertsechsundzwanzig Gösseln hat gespreizte Beine wie im Spagat. Kippt vornüber. Ins weiche Streu. Happy End mit Klebeband? Tape eigentlich. Vorsichtig gewickelt – ein blauer Steg in der Mitte – die Muskeln müssen sich aufbauen. Sonst wird es in ein paar Tagen überrannt. Sonst... Immer macht eins den Anfang, die anderen hinterher. Wie später dann. Draußen auf der Weide. In sechs Wochen. Mit Aufsicht. Weil Gefahr von oben droht. Jetzt aber noch Wärme und vier Wände. Viel Schlaf. Pinkeln auf Füße. Sich in Pfützen ausbreitende Zauberhaftigkeit.

Sonntag, 19. Juni 2016

dreihundertdrei

Freitag, 17. Juni 2016

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Mittwoch, 15. Juni 2016

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Sonntag, 12. Juni 2016

dreihundertzwei

Sonntag, 5. Juni 2016

dreihunderteins

Donnerstag, 2. Juni 2016

Die U Post ist geöffnet

„Wo ist das, was wirklich geschieht, das, was wir erleben, das Übrige, alles Übrige? (...) Wie soll man es befragen, wie es beschreiben?“, fragt der französische Autor Georges Perec im Vorwort seines Buchs „Warum gibt es keine Zigaretten beim Gemüsehändler“. Was diesen Autor, der zur Literatur-Bewegung „Oulipo“ gehörte, besonders auszeichnete, war sein Blick für das Alltägliche, das scheinbar Beiläufige. Uwe Petruchs Mail Art (Post Kunst) ist auch so ein Beispiel für die Beschäftigung mit dem Alltäglichen. Und die formale Gestaltung wird dabei – wie bei den Mitgliedern von Oulipo, die ihren Texten Formzwänge auferlegten (beispielsweise den Verzicht auf einen Vokal) – zum  Ausgangspunkt der Kunst.

Der Postweg ist der Kanal, die künstlerische Botschaft aus der Mühlstraße 10 1/2 in alle Himmelsrichtungen zu schicken. „Das ist das Besondere“, sagt Petruch, der im Brotberuf Kinderarzt mit eigener Praxis in Metzingen ist „wenn du von hier aus ein Taxi nimmst, wird es dich nicht nach Irland fahren – wirfst du einen Brief in den Kasten, kommt er überall auf der Welt an.“ Schon als Jugendlicher bastelte er Umschläge und klebte ausgeschnittene Zeitungsbilder zu Collagen. Dass es ihm dabei vor allem um die Gestaltung der Umschläge und weniger um den Inhalt ging; nein, dass die Gestaltung der Kuverts die e i g e n t l i c h e Botschaft war, kapierten schon damals nicht alle. Am wenigsten die Eltern.

„Vorsicht Kunst“ steht da in gestempelten Buchstaben auf dem Kuvert, das man aus dem Briefkasten zieht, und die Marken kleben auch nicht wie gewöhnlich über der Adresse, sondern kreuz und quer. Öffnet man es, erlebt man jedes Mal eine Überraschung. Collagen aus 1 Cent Marken, gestempelte Briefbögen, Lesezeichen aus dem Buchladen Quichotte, dessen Q aus Petruchs Stempelfeder stammt – und – worüber man sich ganz besonders freuen kann: wenn ein Bild auf die Innenseite des Umschlags geklebt ist, das man erst sieht, wenn man den Brief herausgenommen hat. Das durchsichtige Adressfenster wird dann zum Rahmen. 

Um Postbeamte, „die oft unfreundlich sind“  macht der Künstler einen Bogen. Er wirft die Kuverts lieber direkt in die gelben Briefkästen. Schon bei Joseph Beuys berühmter Filzpostkarte klappte die Verschickung aufgrund des unkonventionellen Materials nicht reibungslos. „Lieber Klaus, diese Karte ist keine richtige Versandart, sagt Post, Dein Joseph“ schrieb Beuys an Klaus Staeck, den Präsidenten der Akademie der Künste in Berlin, für dessen Edition Beuys auch Postkarten aus dauerhaft klebrigem Kunststoff „Honigpostkarte“ und aus Eisenblech „Magnetischer Abfall“ gestaltete.

Der kleine U Post-Aufkleber, der Petruchs Markenzeichen ist,  lässt einen vielleicht ganz unterschwellig an den großen Unterschied denken, der bis heute vor allem in der Literatur und Musik gemacht wird: E und U. Um diesen Unterschied scherte sich die Mail Art, die eine Nähe zum Fluxus hat, eigentlich noch nie, das bestätigt ein Blick in den Katalog der Berliner Akademie der Künste, wo 2013 eine große Mail Art-Ausstellung stattfand. „.Mail-Art ist keine museale Form per Post, sondern eine ästhetische Kommunikationsform“. Dass die U Post aus den Buchstaben internationaler Luftpost-Aufkleber stammt, erfreut im Hinblick auf die Offenheit, die das Genre Mail Art auszeichnet, besonders. U wie Uwe, U wie luftig. U wie unabhängig. U wie Kunst. U wie Zufall. U wie Urlaub.

Schon Georges Perec befand, dass die Postkarten, die man aus dem Urlaub an die lieben Daheimgebliebenen schickt, in ihrer kurzen Prosaform und ihrem sich stets wiederholenden Inhalt auch ein Stück Kunst sind – die der Alltag geschrieben hat. Und so begann er, an seinen Schriftstellerfreund Italo Calvino „Zweihundertdreiundvierzig Postkarten in Echtfarbendruck“ zu schreiben. Hier nur drei von zweihundertdreiundvierzig:

„Wir sind hier in Knightsbridge. Das Wetter ist schön. Baden und Golfspiel. Wir kommen am 3. Zurück.“ „Wir sind im Hotel Obelisk. Farniente. Einfach köstlich. Wir haben mit mehreren bezaubernden Personen Bekanntschaft geschlossen. Ihnen viele freundliche Grüße“
„Wir durchstreifen die Balearen. Das ist schön und dazu schlagen wir uns noch den Bauch voll. Ich habe mir einen Sonnenbrand geholt. Rückkehr vorgesehen für Montag in acht Tagen.“

Petruchs U steht auch für ein Ritual: Acht Briefmarkenautomaten in Tübingen, Reutlingen und Metzingen stehen unter ständiger ärztlicher Beobachtung. Die 1 Cent Marken, die sich darin befinden, sind für Uwe Petruch das, was für andere eine Schachtel Zigaretten der Lieblingsmarke sind. Ausverkaufte Zigaretten! Er zieht also regelmäßig mindestens hundert davon. (Seine ausgeklügelte Einwickel-Technik ist in einem kleinen Film zur Ausstellung zu sehen). Aber eigentlich wartet er immer nur darauf, dass eine der beiden Rollen, auf denen die Marken gedruckt werden (2000 passen auf eine Rolle) dem Ende zuläuft. Zu erkennen ist das an der Nummer, die auf der Rückseite der Marke steht. „Wenn die Rolle zu Ende ist, passiert etwas Wunderbares: Der Druck ist schief auf der Marke oder die Marke ist falsch abgeschnitten. Diese besonderen Marken sind natürlich prädestiniert, Mail-Art zu werden. Und die ist seit 2.6. jeden Tag im Willi in der Wilhelmstraße zu sehen. 


U Post from Uwe Petruch on Vimeo.

Sonntag, 29. Mai 2016

dreihundert

Sonntag, 22. Mai 2016

Sonntag, 15. Mai 2016

zweihundertachtundneunzig

Montag, 9. Mai 2016

°

Sonntag, 8. Mai 2016

zweihundertsiebenundneunzig

Sonntag, 1. Mai 2016

zweihundertsechsundneunzig

Sonntag, 24. April 2016

Sonntag, 17. April 2016

Sonntag, 10. April 2016

Sonntag, 3. April 2016

Sonntag, 27. März 2016

zweihunderteinundneunzig



Samstag, 26. März 2016

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Freitag, 25. März 2016

vorfrühling


Sonntag, 20. März 2016

zweihundertneunzig

Sonntag, 13. März 2016

Sonntag, 6. März 2016

Sonntag, 28. Februar 2016

zweihundertsiebenundachtzig


Dienstag, 23. Februar 2016

angefressen

Sonntag, 21. Februar 2016

zweihundertsechsundachtzig

Sonntag, 14. Februar 2016

zweihundertfuenfundachtzig (Ich war dann mal hier)


Der Ort um den es geht, ist ein bewegter, er wird von müden Menschen gemacht. Schon im Moment seiner Entstehung löst er sich ganz vorne wieder auf. Ein fragiles Gebilde. Ein emotionaler Brennpunkt. Smalltalk ist hier möglich, Frieren und Drängeln, Lächeln und böse Blicke. Sogar Liebe soll sich hier schon angebahnt haben. Natürlich nur für den, der gänzlich hier war und nicht mit einem Ohr am Telefon hing, während er nach Kleingeld kramte.

Es ist ein Ort der Eile und Weile, je nachdem, wer auf der anderen Seite steht. Dort entscheidet sich alles. Wird der Tag gelingen? Fehlt mal wieder etwas zum großen Glück?
Hat es sich am Ende gelohnt herzukommen?

Am häufigsten und ausführlichsten entsteht der Ort am Sonntagmorgen. Wenn sich die Müdigkeiten reihen und die Hinterköpfe ungekämmt sind. Oft tritt man sich versehentlich auf die Füße. Es riecht nach frischem Deo auf Schweiß, fruchtigem Duschgel, Vorfreude und Ungeduld.  Die Rede ist von einem Ort des Grübelns, des Perfekt zwei und der tausend Möglichkeiten: Der Bäckerschlange.

„Ich hätte gern vier Kürbiskernbrötchen gehabt“, sagt die Dame mittleren Alters im Fitnessdress, so als ob sie mit der doppelten Vergangenheit ihres Satzes konjunktivisch ausschließen wollte, dass Kürbiskernbrötchen bereits aus sind. Sie hat Glück. Die Brötchen werden eingetütet. Es ist kurz vor halb zehn. Normalerweise ist sie früher dran. Aber sie hatte vergessen die Butter aus dem Kühlschrank zu nehmen und musste noch mal kurz zurück. 
„Hoffentlich deckt Hans den Frühstückstisch“, denkt sie, bestellt noch zwei Sesam und zwei Mohnknoten und ein Laugenbrötchen. „Und warten sie, noch ein Dinkel-Karotten-Weckle und ein Buttercroissant“.

Bange Blicke jetzt von hinten, der Laugenbrötchenstapel schwindet von Minute zu Minute. Bis aus der Backstube zwei Bleche frische Brötchen nach vorn getragen werden – Puh! Ein erleichtertes Raunen auch von ganz hinten, wo eine junge Frau auf Zehenspitzen die Theke zu überblicken versucht.
„Sind die noch warm?“, fragt der Mann  ganz vorn mit Kind auf dem Arm. Die Verkäuferin nickt. „Dann bitte fünf Stück, und einen Moment“, er blickt zum etwa vierjährigen Mädchen „Was möchtest du gern, Marie, eine Seele oder eine Brezel oder lieber etwas Süßes, ein Rosinenbrötchen vielleicht oder ein Schokocroissant?“ Das Mädchen reibt sich die Augen, zeigt vage in irgendeine Richtung. Die Verkäuferin blickt nervös auf die Schlange, die jetzt schon bis zur Straße geht. Autos parken quer. Ein struppiger Hund bellt. „Marie, Mama wartet zuhause auf uns, jetzt sag, was du gern möchtest.“ Marie fängt an zu heulen. Der Mann lächelt entschuldigend „und noch zwei Brezeln“.

Die Bäckerschlange ist ein Ort geballter Gegenwart und zugleich auch Abwesenheit. Viele Wartende stehen hier stellvertretend für die hungrigen Daheimgebliebenen. Von denen sie losgeschickt wurden mit einer Liste. Während es in der Schlange rund geht liegen sie im warmen Bett und drehen sich noch mal um. Andere kochen zuhause schon Kaffee und Eier, öffnen Marmeladengläser und drehen das Radio auf.

„Wo bleibt er bloß“, fragt sich die Studentin, die ihren neuen Freund zum Brötchenholen schickte. Der verabredet sich im selben Moment im Epizentrum der Bäckerschlange mit einem Bekannten, der zufällig vor ihm steht, zum gemeinsamen Fußballschauen am Nachmittag. Die beiden Jungs lassen sogar einen älteren Herrn vor, so beschäftigt sind sie mit ihren Planungen. Das Frühstück der Studentin und ihres neuen Freundes wird mit einem Knatsch aufgrund unterschiedlicher Sonntagserwartungen enden, aber das wissen sie zum Glück noch nicht.

„Gehören sie zusammen?“ Die Verkäuferin macht währenddessen aus zwei Kunden ein Paar, die gar keins sind. Die beiden schauen sich kurz an, schütteln dann entschieden den Kopf und geben einander umständlich den Vortritt, was das Weitergehen noch mehr verzögert. 

Die Verkäuferin tütet weiter Weckle und Hörnchen, Stangen und Schnecken und Schnitten ein und sehnt sich im Stillen den Feierabend herbei, während sie Brötchentüten über den Tresen reicht und den Kunden „einen schönen Tag“, „ein schönes Frühstück“, „vielen Dank und auf Wiedersehen“ hinterher ruft, mal das eine und mal das andere, mal zu früh und mal zu spät, sie hat das mit dem Timing nicht so richtig raus. Manche Kunden hören es gar nicht mehr. Wie mit Trophäen entschwinden sie mit ihren Tüten durch die automatische Schiebetür, die offen steht, an der Schlange vorbei, hinaus in den Sonntag. 


Erschienen in: Schwäbisches Tagblatt, Ich war dann mal hier (8), 15.02.2016

Sonntag, 7. Februar 2016

Sonntag, 31. Januar 2016

Sonntag, 24. Januar 2016

zweihundertzweiundachtzig

Montag, 18. Januar 2016

ranunkel