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Montag, 3. September 2012

nachmittags in rom


Im Zustand relativer Hoffnungslosigkeit flüchtete ich mich letzten Sommer ins Kino, es spuckte mich beglückt wieder aus. Bei einem damals neuen Nachbarn klingelte ich anschließend, um ihn nach Paris zu schicken. Mit "Midnight in Paris" hatte Woody Allen eine Art Raum des "Alles ist möglich, du musst es dir nur genug wünschen" geschaffen. Wie geschaffen, um noch Tage später in dieser Stimmung eines lauen Pariser Sommerabends durch die eigene Stadt zu gehen, die natürlich nicht an der Seine liegt, unter dem Eindruck des Films aber glänzender erschien als vorher, jede Nebengasse barg vielleicht eine Überraschung. Darüber hinaus offenbarte sich Owen Wilson geradezu als Inkarnation der Nachfolge für Woody Allen in der Rolle des neurotischen Flaneurs Gil, den Allen früher sicher selbst gespielt hätte.

Dass Woody Allen selbst wieder mitspielt ist ein Grund zur Vorfreude auf "To Rome with Love".
Kaum Platz genommen, an einem trüben Montagnachmittag, wird man auf der Piazza Venezia direkt von einem Verkehrspolizisten in Empfang genommen. Er ist sich sicher, auf seinem Podest den besten Aussichtsplatz auf die vielen Geschichten, die vielen Gesichter der Stadt zu haben. Und schon ist man mittendrin. Staunt über das Tempo in der italienischen Metropole: Zusammenstoßen, verlieben, verloben, 15-Minuten-Berühmtheit, Schlamassel und kalte Duschen. Prost Mahlzeit, Salute!

Woody Allen spielt den alternden Opernregisseur Jerry, der mit seiner Frau Phyllis (Judy Davis) aus New York nach Rom fliegt, um den Verlobten seiner Tochter kennen zu lernen. Dabei stand die doch gerade noch orientierungslos mit einem Stadtplan mitten in Rom und wusste nicht weiter! Bis der schöne Michelangelo (Flavio Parenti, bekannt aus "I am love")sie ein Stück begleitete, weil er sowieso in dieselbe Richtung musste. Der Rest ist schnell erzählt, Abendessen, Kerzenlicht, Amore. Mio!
Noch traumatisiert vom Flug gibt Allen alias Jerry dem Vater Michelangelos die Hand, der wiederum hat ein Bestattungsunternehmen und bemerkt, noch keine Zeit gehabt zu haben "sich frisch zu machen." Wahnsinnig komisch, wie Jerry, der noch gut 50, 60 Jahre leben will, unfreiwillig mit dem Tod in Berührung kommt. Wie er zum Bruschetta greift, daran riecht "Formaldehyd, köstlich" sagt, das Gesicht verzieht und es zurück auf den Teller legt. Derweil ist der Gegenschwieger unter die Dusche gesprungen, singt lauthals Arien und bringt Jerry auf eine Idee. Hoffnungslose Projekte seien seine Art der Erfüllung diagnostiziert Phyllis, die Psychiaterin ist. Das erste Abendessen verläuft glimpflich, die sehr unterschiedlichen Positionen der Familienmitglieder sind köstlich anzusehen.
Die Szenen mit Woody Allen sind zweifellos die, in denen man laut lachen muss.

Die Besetzung des Films ist erstklassig. Herrlich skurril, Roberto Benigni als italienischer Durchschnittsbürger Leopoldo, der plötzlich zum Liebling der Presse wird und Interviews im italienischen Fernsehen gibt. "Was haben sie heute Morgen gefrühstückt, Leopoldo?" "Zwei Scheiben Toast mit Marmelade und einen Milchkaffee."

Währenddessen klopft Penélope Cruz als Prostituierte Anna versehentlich an der falschen Hotelzimmertür und der junge Architekturstudent Jack begegnet seinem Rollenvorbild, das sich als schlechtes Gewissen in Persona entpuppt (Alec Baldwin). Auch er hat einst in Rom gelebt und die gleichen Fehler wie der junge Jack gemacht. Trotz lautester Warnsignale verliebt sich Jack in die beste Freundin (Ellen Page) seiner Freundin Sally (Greta Gerwig), natürlich es konnte ja nicht anders kommen! 

Fast wie ein Episodenfilm kommt "To Rome with Love" daher, bloß ohne die Verbindung der Geschichten und ohne Auflösung. So wie sie aus allen Richtungen kamen, leben und lieben sie wohl alle verstreut voneinander weiter. Aber ihnen bleibt ja Rom!

Ein bisschen mehr Allen, ein bisschen weniger Baldwin hätte ich mir stellenweise gewünscht. Irgendwie will er als einziger nicht so recht nach Rom passen.
Frohgemut verlasse ich das Kino, es ist fast dunkel, und kein Hochgefühl springt an, wie Straßenlaternen, damals in Paris und ich klingele auch nicht an fremden Türen. 

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